Die Geschichte der Burg Kerpen

Die Ruine der ehemaligen Wasserburg liegt landschaftlich schön inmitten des breiten Talgrunds der Ill direkt hinter dem Illinger Ortszentrum.

Während Illingen als „Letoltingos“ bereits im 9. Jahrhundert belegt ist, gelangten die Herren von Kerpen, die sich nach ihrem Stammsitz bei Hillesheim in der Eifel nennen, erst Anfang des 14. Jahrhunderts mit der Heirat Dietrichs IV. von Kerpen mit Geneta von Warsburg ins heutige Saarland.

Diese Dame war in erster Ehe mit Arnold von Sierck verheiratet gewesen, der im 12. Jahrhundert den Bau der Wasserburg initiiert haben mag. Gut möglich ist jedoch, dass bereits Arnold von Sierck auf Vorgängerbauten zurückgreifen konnte, denn obwohl der kleine Bergvorsprung, auf dem die St. Stephanuskirche steht, wohl der ältere Teil Illingens ist, bot auch die häufig versumpfte Landschaft des Illtals schon früh einen guten Ansatzpunkt für eine Burganlage. 1351 ist die Burg erstmals ganz im Besitz der Herren von Kerpen, als Dietrich V. von Kerpen erklärt, die Burg zu Ildingen sei alter Besitz der Grafen von Saarwerden, den er von ihnen zu Lehen habe. Im 16. Jahrhundert folgten jenen in der Lehnhoheit die Grafen von Nassau-Saarbrücken.

Die Herrschaft derer von Kerpen, als deren Mittelpunkt bis zum Dreißigjährigen Krieg ihre Illinger Wasserburg betrachtet werden kann, umfasste im 18. Jahrhundert schließlich Illingen, Gennweiler, Merchweiler und Wemmetsweiler. Noch das heutige Gemeindewappen Illingens trägt den nach unten geöffneten roten Zickzackbalken der Freiherren von Kerpen.

Im 15. Jahrhundert diente die Burg gelegentlich als Pfandobjekt, so z.B. 1426, als Johann von Kerpen seiner Frau Elsa von Sierck 1.400 Gulden auf die Hälfte der Burg verschreibt.
Vielleicht mit Heinrich von Kerpen (gest.1557), dessen Epitaph in der nahen Pfarrkirche besichtigt werden kann, begann man mit Modernisierungsmaßnahmen. Mit dem Bau der Vorburg und der Aufstellung von Artillerieplattformen erreichte die Burg Kerpen um 1620 die höchste Stufe ihres Ausbaus. Im Dreißigjährigen Krieg blieb von der Burg kaum mehr als ein Steinhaufen, den Johann Daniel von Kerpen mit schweren Kosten wieder aufbauen ließ.

Im Frühjahr 1677, während der Endphase des Holländischen Krieges, steckten französische Truppen das Dorf Illingen mitsamt der Burg in Brand. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Burg wieder instandgesetzt. 1830 verkauften die vier Töchter des letzten Reichsfreiherren von Kerpen die Burg mit allen Ländereien an den Geheimen Oberrat Leopold Sello. Jetzt erst diente die recht gut erhaltene Anlage als Steinbruch für die Umgebung und verfiel rasch. 1897 gelangte die Ruine an den Kommerzienrat Haldy, der um 1900 auch noch den ursprünglichen Wohnbau der Toranlage abreißen ließ, ehe der Gemeinde Illingen der Komplex geschenkt wurde. 1913 wurden erste Sanierungsarbeiten eingeleitet.

Von der Hauptburg stehen noch Teile der Umfassungsmauern und zwei Türme. Die Anlage umschließt einen rechteckigen Hof von ca. 20 m auf 24 m. An der Südwestecke steht das Füllmauerwerk eines quadratischen Turmes, der Bergfried, der einst den Kern der Befestigung ausgemacht haben muß, da die Burg nur dort vom angrenzenden Gelände überhöht war; dieser strategische Nachteil sollte durch massives Mauerwerk kompensiert werden. Der besser erhaltene Rundturm im Südosten wurde 1951 instandgesetzt, 1973 renovierte man die Innenräume und die Burgkappelle mit Rippengewölbe und richtete den kleinen Festsaal ein.

Von der Vorburg im Norden hat sich die Toranlage vom Anfang des 17.Jahrhunderts erhalten, sie ist jetzt Teil des 1999 erbauten Hotel- und Restaurantkomplexes.

Über der Tordurchfahrt befindet sich das Ehewappen des Bauherrn Hans von Kerpen mit der Jahreszahl 1605. Neben dem Torturm ist vor allem der Wehrturm mit seinen Schießscharten und unregelmäßig verteilten Rechteckfenstern interessant, denn er veranschaulicht sowohl die Verteidigungs- als auch die Rückzugsbereitschaft seiner Erbauer. Hier befinden sich heute im Erdgeschoss Gesellschaftsräume und im ersten Obergeschoss aufwendig renovierte Suiten der Hotel- und Restaurantanlage. Die Zugbrücke vor dem Torturm wurde bereits im 18. Jahrhundert durch eine schlichte Steinbrücke ersetzt. Diese fiel 1948 einer Überschwemmung zum Opfer, wurde aber im alten Stil wieder hergerichtet.

Weiterhin ist die damalige Zehntscheune der Burgfestung noch erhalten, sie ist heute in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz. Die Zehntscheune diente als Lager. Der Namen der Zehntscheune beruft sich auf das Zehntel. Früher mussten die Menschen ein Zehntel des Rohertrages eines Grundstückes als wiederkehrende Abgabe leisten. Seit dem 6.Jhd. von der Kirche gefordert, ab dem 8.Jhd. von der weltlichen Gesetzgebung unterstützt.
Die damalige Zehntscheune wird heute als Wohnhaus genutzt.